Bill, mit 60 Jahren hast Du mit "Rostig, rostig, trallalala" Dein drittes Programm auf die Beine gestellt. In dem Alter denken andere schon an den Vorruhestand.

Bill: Manchmal denke ich auch daran, aber es gibt immer noch so vieles, was ich sagen will. Ich möchte mein Publikum aus der Lethargie wecken, praktisch die Sehhilfe für Menschen sein, die längst den Durchblick verloren haben. Dazu reicht meine Fitness noch allemal. Denn Hand aufs Herz, sehe ich etwa wie 60 aus? Gut, ganz weit oben vielleicht, aber irgendwo muss der Sensenmann ja anfangen. Trotzdem, ich fühle mich jung und bin nun einmal unbelehrbar optimistisch. Ich bin jemand, der ein Dutzend Austern bestellt in der Hoffnung, sie mit der Perle darin bezahlen zu können. Gut, notfalls habe ich ja noch meine Kreditkarte dabei.

Also baust Du bei allem Optimismus doch immer eine Sicherheitsstufe
ein ...

Bill: Natürlich, denn vom Optimisten bis zum Utopisten ist es nur ein winziger Schritt. Ich würde zum Beispiel nie meinen Automotor laufen lassen, wenn meine Frau "mal eben" in einen Schuhladen geht. So ein Optimist bin nicht einmal ich.

Im Gegenteil, an solchen Tagen nehme ich mir etwas zum Essen und zu Lesen mit, zum Beispiel lese ich gerade "Das Wunder des Augenblicks" von Eckart Tolle; ein faszinierendes Buch. Ich habe gelernt: Wenn meine Frau sagt, es dauere nur einen Augenblick, dann ist das ein Wunder.

Was willst Du mit Deinem Programm bewirken?

Bill: Die Leute sollen über mich und somit, wenn es passt, auch über sich und ihre Schwächen lachen. Wir sind alle unsicher, und es tut gut, durch das Lachen ein wenig Distanz zu sich selbst zu entwickeln. Ich will aber auch, dass mein Publikum ein wenig über die Generation "50 plus" nachdenkt. Bald gibt es mehr 50-plus- als 49-minus-Menschen. Wir sind eine ungeheuer spannende und ernst zu nehmende, neue Gesellschaftsschicht, und es wird sich vieles in der Wahrnehmung ändern müssen. Wir sind die Zukunft! Die Werbung hat das schon begriffen - leider. Wenn es nach denen geht, soll ich jetzt mit 60 einen Treppenlift kaufen, literweise Doppelherz trinken und mir einen Vorrat an Inkontinenzwindeln zulegen.

Die behandeln uns, als ob wir nicht mehr ganz dicht wären. Dagegen gehe ich auf die Barrikaden – und hoffentlich gehen viele mit.

Dazu möchtest Du mit "Rostig, rostig, trallalala" Dein Scherflein beitragen?

Bill: Ja, jeder auf dieser Welt sollte mehr lachen. Wir sollten uns bei unseren Kindern und Enkeln eine Scheibe abschneiden - natürlich nur im übertragenen Sinn. Denn wie heißt es so schön? Kinder haben Lachen und Weinen in einem Sack. Wenn sie lachen, reißen sie uns mit ihrem Optimismus mit. Und wenn wir selbst wieder optimistischer sind, produzieren wir wieder mehr Kinder. Der Pessimist geht in den Keller, um sich zu amüsieren, der Optimist ins Schlafzimmer. Ich habe sechs Söhne. Das ist ja wohl der beste Beweis. Nur mit Optimismus retten wir Deutschland davor, irgendwann ganz alt auszusehen.

 

Bei welchen Humoristen klopfst Du Dir auf die Schenkel?

Bill Cosby ist mein Lieblingskomiker, gefolgt von Dieter Hildebrandt und Hanns Dieter Hüsch. Bernd Stelter ist ein Allroundtalent und wird leider unterschätzt. Bei den jüngeren Künstlern halte ich Mario Barth, Ralf Schmitz und Kurt Krömer für sehr gute Beobachter und glänzende Komiker. Es gibt leider eine ganze Menge junge Comedians, die verwechseln Tempo mit Inhalt, Blödsinn mit Satire. Aber meistens sind sie dann auch bald weg vom Fenster.

Welche Frauen lassen Dein Herz hüpfen und den Blutdruck steigen?

Wenn ich meine Frau bei einer Springmaus-Aufführung auf der Bühne sehe, denke ich, dass ich alles tun würde, um diese Wahnsinnsfrau zu erobern. Zwei Stunden später, wenn sie in meinem Arm liegt, denke ich: Wow, Du hast es geschafft!

Bei welchen Gedanken geht Dir der Arsch auf Grundeis?

Ich habe unseren jüngsten Sohn in einem Park in Prag verloren. Das waren die schlimmsten zwei Stunden meines Lebens.

Was unternimmst Du, damit Deine Gelenke nicht einrosten?

Mit den sechs Jungs muss ich mitzuhalten versuchen. Das heißt: Schnee- und Wasserski, Fußball, Trampolin springen, Fitness und morgens Powerwalking.

Mit welcher Lektüre verwöhnst Du Deine grauen Zellen?

Da sind zum einen Loriots "Gesammelte Werke" und natürlich die Bücher von Mark Twain - für mich der Urvater des amerikanischen Humors.

Was tankst Du, wenn Deine Flüssigkeitsanzeige rot ist?

Wasser, Wasser und nochmals Wasser - aber aus der Leitung. Ich zahle doch nicht 4,50 Euro für irgendeine französische isotonische Bergquelle.

Bei welchen Gaumenkitzel zählst Du nicht die Kalorien?

Ich habe eine große Schwäche für italienisches Essen. Wenn meine Frau und ich zum Italiener gehen, dann ist das wie ein Kurzurlaub in Rom.

Welche Zelluloidstreifen sind ein Genuss für Deine Augen?

Ich habe ein weiches Herz und liebe "Titanic", "Bridges of Madison County" und "Gladiator".

Was hörst Du, wenn sich Deine Ohren nach Harmonie sehnen?

Die Chorgesänge der Benidiktinermönche aus der Klosterkirche Maria Laach.

Welche großen Ideen haben für Dich absolut Hand und Fuß?

Das mit dem Rad fand ich ziemlich beeindruckend. Auch die Tatsache, dass meine Frau mich mit dem Handy überall finden kann, erstaunt mich immer wieder. Gut, meine Frau liebt mich, aber meinem GPS bin ich schnurzpiepegal - und trotzdem weiß es immer, wo ich bin. Unglaublich! Ich liebe die Technik.

Welche wichtigen Leute sollten mal ein Auge auf Dein Programm werfen?

Alle, denn ich habe eine Menge zu sagen